Fischsaurier Ichthyosaurus

Evolution und Erfolgsgeschichte der Ichthyosaurier


Pioniere der Fischsaurier-Forschung

Ichthyosaurier_skeleton

Die Ichthyosaurier – griechisch für „Fischechsen“, zusammengesetzt aus ichthys (Fisch) und sauros (Echse) – gehören zu den faszinierendsten Reptilien der Erdgeschichte. Das übergeordnete Taxon Ichthyopterygia wurde bereits 1840 von dem berühmten englischen Biologen und Paläontologen Sir Richard Owen aufgestellt.

Ichthyosaur_Lyme Regis
Ichthyosaur_Lyme Regis_Anning_Portrait

Zu diesem Zeitpunkt waren Funde von Ornithischia und Saurischia (Dinosauria) noch völlig unbekannt. Funde von Ichthyosauriern gaben der wissenschaftlichen Welt zunächst Rätsel auf, da viele Merkmale dieser fossilen Organismen an Landwirbeltiere erinnerten. Manche Forscher hielten sie für Fische, andere sahen in ihnen Amphibien oder klassifizierten sie sogar als Meeressäuger. Einer der ersten Sammler von Holzmaden-Fossilien war Herzog Carl Eugen von Württemberg. Urkundlich bezeugt ist sein Kauf eines juvenilen Ichthyosauriers im Jahr 1749.

Holzmaden Bernhard Hauff im Steinbruch bei Bergung Ichthyosaurier
Holzmaden Bernhard Hauff vor Ichthyosaurier mit Hauterhaltung

Als Bernhard Hauff, der der Pionier der Präparation von Holzmaden-Fossilien, 1892 erstmals den "Hautschatten" eines Ichthyosauriers präparierte, gelang ihm erstmals der Nachweis fossiler Überreste von Weichgewebe ("Hauterhaltung"). Damit begann der Siegeszug der Holzmaden-Fossilien weltweit in die Museen. Auch wenn die „goldenen“ Zeiten des manuellen Abbaus vorbei sind und nur noch vereinzelt Funde gemacht werden, hat diese klassische Fossillagerstätte nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt.


Augen auf beim Fischsaurier(ver)kauf

Vorsicht vor Fakes!

Der Handel mit Fischsauriern aus dem Posidonienschiefer um Holzmaden bei Stuttgart blüht seit nunmehr fast 300 Jahren. Seitdem kursieren Fälschungen und Fakes von Ichthyosauriern. Besonders beliebt und bei Wissenschaftlern gefürchtet sind sogenannte "Komposite", aus mehreren (unvollständig gefundenen) Exemplare zusammengesetzte Ichthyosaurier.

So berichtet Dean R. Lomax von der University of Manchester 

Über 20 Ichthyosaurus-Exemplare aus dem 17. und 19. Jahrhundert wurden aufgrund von künstlichen Körperteilen falsch identifiziert. Eine Reihe von delfinähnlichen Meeresreptilien namens Ichthyosaurier, die im späten 17. bis frühen 18. Jahrhundert entdeckt wurden, wurden mit vertauschten Körperteilen gesichtet, was wahrscheinlich ein Versuch war, sie für die Ausstellung attraktiver zu machen. Diese alte Praxis hat zu mehreren Fällen von Verwechslungen geführt.

Auch renommierte Präparatoren, wie der Pionier Bernhard Hauff, scheuten vor Kompositen nicht zurück und gaben mit den von ihnen geschaffenen "Wolpertingern" Anlass für vermeintlich neu beschriebene Gattungen und Arten. STÖHR & WERNEBURG (2022) geben einen kritischen Einblick in die Bestände der Paläontologischen Sammlung Tübingen:

Eine Reihe von fünf Präparaten muss erwähnt werden, denn sie verdeutlichen, wie wichtig es ist, die (meist außergewöhnlichen) Präparate von BERNHARD HAUFF genau zu überprüfen, um festzustellen, welche Elemente der Präparate tatsächlich zu dem betreffenden Präparat gehören oder nicht (v. Huene 1922a): Mehrere Elemente lassen sich eindeutig dem Hauptexemplar zuordnen; Allerdings ist die Zuordnung einzelner Elemente hinsichtlich der taxonomischen und sogar anatomischen Identität zweifelhaft. In einigen Fällen wurde das Fossilmaterial während des Aufbereitungsprozesses beschädigt oder vollständig entfernt. Eine damals typische Methode war ein intarsienbasiertes Verfahren. Kunstharzzwischenräume (z. B. „Kitt aus Magnesit und Wasserglas, künstlich schwarz gefärbt“; Brief vom 20.12.1927) reihen das Fossilmaterial eng aneinander und verdecken die Einfügung von Sedimentplatten, die das Originalexemplar umgeben. In entscheidenden Fällen gehören auch Knochenteile nicht zum Originalexemplar und Färbungen der Sedimente verwischen die Unterschiede. Diese Situation ist besonders problematisch, wenn Typenmaterial ohne detaillierte vorbereitende Dokumentation beschrieben wird.

Aus verschiedenen Individuen zusammengesetzter Ichthyosaurier in Tübingen

Kein Einzelfall. Bereits 2002 berichtete The Guardian von einem Fake-Ichthyosaurier:

116 Jahre lang schmückte es die Hallen des National Museum of Wales in Cardiff – das versteinerte Skelett eines 200 Meter alten Raubtiers, das einst durch die Jura-Meere kreuzte. Es überlebte die Forschung von Wissenschaftlern, die Charles Darwin kannten, und Richard Owen, dem viktorianischen Gelehrten. Es überlebte Revolutionen in der Paläontologie, Auseinandersetzungen über die Evolution und Skandale in der Welt der Fossilien. Dann kamen die Kuratoren in Cardiff zu dem Schluss, dass die Überreste des Ichthyosaurus einer Auffrischung bedürfen – und stellten fest, dass sie nachgebildet worden waren. „Als wir fünf Schichten Farbe abzogen, stellten wir fest, dass es sich um eine aufwändige Fälschung handelte“, sagte Caroline Buttler, Restauratorin. „Es war eine Mischung aus zwei Arten von Ichthyosaurus und einem cleveren Versuch, Teile nachzuahmen.“ Es wird nun als Beispiel einer Fälschung wieder zur Schau gestellt. 

Vertrauen ist gut, ein Gutachten noch besser.

In den letzten Jahrzehnten sind die präparatorischen Möglichkeiten, natürliche Fehlstellen und Defekte zu verschleiern und stattdessen den (vor allem internationalen) Markt mit ästhetisch perfekt anmutenden Exponaten zu bedienen, weiter vorangeschritten.

Zur Klarstellung: Solange Restaurationen als solche (ggf. auf Nachfrage) kenntlich gemacht werden, ist nichts zu beanstanden. Problematisch wird es, wenn die Information des Präparators beim Kauf durch einen Sammler bzw. Kunden, in der Regel über Zwischenhändler "verloren" geht.

Weitergehende Informationen zu Holzmaden-Fossilien im Echtheitstest finden Sie hier.

Als unabhängiger Sachverständiger empfehle ich Ihnen eine Expertise. Egal, ob der Fischsaurier auf einer Messe, einer Auktion oder von einem Händler angeboten wird: Als Käufer gibt sie Ihnen Gewissheit über Echtheit und Umfang etwaiger Restaurationen eines Ichthyosauriers. Als Verkäufer erhalten Sie eine marktkonforme Wertermittlung und ein objektives Gutachten, welches den Käufer vor Überraschungen Sie vor etwaigen Ansprüchen schützt. 


Evolution der Ichthyosaurier

Obwohl diese Urzeit-Räuber perfekt an das Leben im offenen Meer angepasst waren, stammten sie nachweislich von landlebenden Reptilien ab und entwickelten sich nicht aus einer bereits im Wasser heimischen Saurierart. Fundstellen wie Holzmaden liefern weltweit die besterhaltenen Skelette dieser marinen Jäger, die oft sogar mit fossilen Weichteilen oder ungeborenen Jungtieren im Mutterleib entdeckt werden. Heute sind diese spektakulären Exponate absolute Highlights in Museen und privaten Sammlungen weltweit.

Die evolutionäre Erfolgsgeschichte der Ichthyosaurier verlief in einem atemberaubenden Tempo: Von der frühen bis zum Ende der Trias vor etwa 201 Millionen Jahren entwickelten sie sich explosionsartig zu den ersten Riesen der Ozeane. Im darauffolgenden Jura (vor 201–145 Millionen Jahren) verloren die Ichthyosaurier jedoch ihre unangefochtene Spitzenposition als alleinige Herrscher der Meere an andere aufstrebende Meeresreptilien wie Plesiosaurier und Pliosaurier. Ihr endgültiger Untergang in der Mittelkreide vor ca. 90 Millionen Jahren gibt der Wissenschaft bis heute Rätsel auf. Als eine der wahrscheinlichsten Ursachen gilt das zeitgleiche Aufkommen moderner Haie, welche die Ichthyosaurier als hocheffiziente Nahrungskonkurrenten endgültig verdrängten.

Die ersten Ichthyosaurier erschienen vor etwa 251 Millionen Jahren in der Untertrias (Olenekium). Diese Tiere besaßen noch eine langgestreckte, echsenartige Gestalt und bewegten sich wahrscheinlich in küstennahen Flachgewässern durch schlängelnde Bewegungen des gesamten Körpers fort. Am Ende der Mitteltrias verschwanden die langgestreckten Ichthyosaurier und wurden in der Obertrias durch Formen mit einem eher spindel- oder torpedoförmigen Körper abgelöst. Zu dieser Zeit eroberten diese Ichthyosaurier auch den Lebensraum des offenen Ozeans (McGOWAN & MOTANI, 2003). Die größte Formenvielfalt wiesen die Ichthyosaurier in der Mitteltrias auf.

Ichthyosaurus_phylogeny

Der Ichthyosaurier Cymbospondylus youngorum aus Nevada war 17 Meter lang, wog 45 Tonnen und war das erste riesige Lebewesen, das jemals auf der Erde existierte. Es dauerte wahrscheinlich „nur“ etwa drei Millionen Jahre vom ersten Auftreten der Ichthyosaurier bis zu dem Zeitpunkt, als sie vor rund 246 Millionen Jahren (in der Mitteltrias) diese Körpergröße erreichten.
Obwohl dieser Ichthyosaurier so groß wie ein Pottwal war, haben die beiden wenig gemeinsam – nicht einmal die Geschwindigkeit ihrer evolutionären Größenzunahme.

„Die Evolutionsmodelle zeigen sehr deutlich, dass Ichthyosaurier einen anfänglichen Größenschub erlebten und schon früh in ihrer Stammesgeschichte zu Riesen wurden, während Wale deutlich länger brauchten, um ihre maximale Größe zu erreichen.“

Ichthyosaurier_scale

Im Unterjura (Schwarzer Jura, Lias Epsilon) erreichten die Ichthyosaurier ihre größte Artenvielfalt, und es entwickelten sich Arten, die in große Tiefen tauchten. Allein von der Gattung *Stenopterygius* sind mehrere Arten oder Unterarten bekannt. Besonders ergiebige Funde aus dieser Zeit stammen aus dem Posidonienschiefer (Lias Epsilon) von Bad Boll, Ohmden und Holzmaden (bei Stuttgart) in Süddeutschland. Im Laufe vieler Jahrzehnte lieferten diese dunklen Schiefergesteine ​​rund 3.000 Exemplare der Gattungen *Stenopterygius*, *Eurhinosaurus* und *Temnodontosaurus*. *Stenopterygius* ist die im Posidonienschiefer von Holzmaden am häufigsten vorkommende Ichthyosaurier-Gattung. Typusexemplare der Gattung *Ichthyosaurus* wurden in England gefunden. Vor etwa 94 Millionen Jahren, während des Cenomaniums, starben die Ichthyosaurier aus.

Ichthyosaur_skull
Ichthyosaur_skull

Stenopterygius gehört zur Gruppe der fortgeschrittenen Ichthyosaurier. Ähnlich wie heutige Thunfische besaß er wahrscheinlich ein recht steifes Skelett. Aufgrund der Bewegungsweise seiner Flossen lässt sich zudem annehmen, dass er ein sehr guter und schneller Schwimmer war. Der stromlinienförmige Körper verfügte über eine senkrechte Schwanzflosse. Zusätzliche, paddelförmige Vorder- und Hinterflossen, die Finger- und Zehenglieder enthielten, dienten vor allem der Steuerung. Wie andere Reptilien atmeten Ichthyosaurier mit Lungen; sie mussten also – ähnlich wie heutige Wale – von Zeit zu Zeit an die Wasseroberfläche kommen, um Luft zu holen.

Ichthyosaurus_Stenopterygius

Die erste Freilegung eines Stenopterygius mit Hauterhaltung durch Bernhard Hauff im Jahr 1892 war sensationell und zunächst umstritten. Mithilfe moderner Methoden lassen sich fetthaltige Proteine ​​nachweisen.

Die Ernährung der Ichthyosaurier lässt sich als karnivor (hauptsächlich Kopffüßer) beschreiben; Aufschluss darüber geben gut erhaltene Überreste von Beutetieren im Magenbereich. Als Mageninhalt wurden Teile von Belemniten und Fischschuppen sowie weitere Überreste von Wirbeltieren nachgewiesen.

Ichthyosaurus_teeth

Ichthyosaurier entwickelten hochspezialisierte Zähne. Neben rein fischfressenden Formen gab es auch Vertreter mit Zähnen, die zum Knacken hartschaliger Nahrung – wie Muscheln, Schnecken, Ammoniten, Brachiopoden usw. – geeignet waren.

Ichthyosaurier waren Landwirbeltiere. Sie kehrten sekundär zu einer Lebensweise im Wasser zurück. Sie waren so stark an das Leben im Meer angepasst, dass sie nicht mehr an Land gehen konnten, um ihre Eier abzulegen, sondern lebende Junge zur Welt brachten.
Der Schultergürtel ist nicht fest mit dem Schädel verbunden wie bei Fischen, und in ihren Flossen lassen sich Ober- und Unterarmknochen, Handwurzelknochen sowie Fingerknochen unterscheiden.

Ichthyosaurus_skeleton

Ein besonders charakteristisches Merkmal der Ichthyosaurier ist der Skleralring, der in der äußeren Augenhaut und um die Iris herum liegt.
Der Skleralring ist eine ringförmige, knöcherne Verstärkung des Auges; er kommt auch bei Vögeln, den ausgestorbenen Dinosauriern und Flugsauriern sowie bei einigen heutigen Reptilien wie Leguanen vor.

Ichthyosaur_embryo
Ichthyosaurus_pectoral
Ichthyosaurus_Scleral ring

Der Skleralring diente wahrscheinlich dazu, die flachen, nicht kreisrunden Augäpfel der Ichthyosaurier in Form zu halten, da ihre großen Augen beim Schwimmen unterschiedlichen Wasserdrücken ausgesetzt waren. Der zur Schnauze hin gelegene Teil der Augen war einem höheren Wasserdruck ausgesetzt als der weiter hinten liegende Bereich.
Das größte bei einem Ichthyosaurier gefundene Auge ist zugleich das größte Auge aller Wirbeltiere. Es hatte einen Durchmesser von 26,4 cm und gehörte zu Temnodontosaurus platyodon. Die Augen waren sehr lichtstark und ermöglichten die Jagd in großen Tiefen.

Der Skleralring steht symbolisch für den Posidonienschiefer von Holzmaden; aus diesem Grund wurde er als Logo für Fossiland ausgewählt.


Ichthyosaurier Galerie

Beispiele, eine Auswahl der von mir angekauften, vermittelten und begutachteten Fischsaurier finden Sie unter Referenzen.

Statussymbol Ichthyosaurier

Fischsaurier werden weltweit - vor allem in Übersee - nachgefragt, unter Sammlern sind sie zum Statussymbol geworden. Im asiatischen Raum erfreuen sich die Drachen-ähnlichen "Meeresungeheuer" aus Deutschland besonderer Beliebtheit. Ein Global Payer auf dem Fossiliennmarkt macht es schon mal vor und setzt sich für National Geographic in Szene: "As if frozen in mid-swim, an Ichthyosaurus fossil lends a Jurassic-era touch to Stefano Piccini’s home office in Italy. A paleontologist, geologist, and owner of Geoworld - a commercial fossil company that also sells natural science toys - Piccini excavated the 180-million-year-old fossil from a quarry in Germany." 

Ikonisches Fossil: Fischsaurier (Ichthyosaurier) aus Holzmaden
Weitere Informationen zur Fossillagerstätte Holzmaden, Präparation und Pyritsanierung finden Sie auf holzmaden-fossilien.de sowie auf der von mir mitgestalteten Seite Posidonienschiefer auf Wikipedia.